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Zur Geschichte des Vereins und des Falkenheims Akademiestra?e PDF Drucken
Das Falkenheim entstand aus der Initiative junger Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg ein Behelfsheim für Falkenarbeit auf einem alten Trümmergelände erbaut hatten. Dieses Gelände befand sich am Grummertshof  46/47, dem heutigen Standort der Musikschule Bochum. grummertshof1.jpg
  

Das Grundstück fiel jedoch der Neugliederung des Stadtgebietes zum Opfer und das Behelfsheim wurde abgerissen. Als Ausgleich wurde dem Falkenverband ein Grundstück an der Akademiestrasse angeboten.

Am 17.05.1954 gründete sich unter dem Namen „Freunde des Jugendheimbaus e.V.“ ein Verein, der sich zum Ziel setzte, eben auf diesem Grundstück ein Verbandsjugendheim für die SJD „Die Falken“ zu bauen. Gründungsmitglieder waren Heinrich Hossiep, Heinz Brinkhoff,  Kurt Schaffelke, Günter Steden, Franz Schaap, Ernst Schlotz und Elfriede Wiegand.

Neben dem Grundstück bildete ein reges Leben in den einzelnen Ortsverbänden der Falken die ideelle und finanzielle Grundlage für den Bau des Jugendverbandsheims. Es gab OrtsVerbände in Harpen, Bergen, Gerthe, Vöde, Linden, Werne und Riemke, also vorwiegend in den traditionellen Arbeitergegenden  Bochums. Die Mitgliederzahl des Verbandes wurde damals mit 4.000 (!) beziffert.

Am Rande sei erwähnt, dass  der Verband der SJD „Die Falken“ aus der vor 1933 existierenden „Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und den „Kinderfreunden“ entstanden ist.. Mit „Falken“ (F) sind die Kinder benannt, mit „Rote Falken“ (RF) die Altersgruppe von ca. 11-15 Jahren, die man heute unter dem Begriff „Teenies“ zusammenfasst und mit der „Sozialistischen Jugend“ (SJ) die Jugendlichen. Bei den Falken waren also alle Altersgruppen unter einem Dach zusammengefasst. grummertshof3.jpg

 

Die Aktivitäten des Falkenverbandes in der Nachkriegszeit bestanden überwiegend aus Volkstanz, Singen, Beiträge zu Morgenfeiern, 1. Mai Feiern und natürlich Zeltlagern, z.B. in den Ruhrwiesen oder zu der Zeit auch schon in Reinwarzhofen.

Der Wunsch nach einem großen  Jugendheim für den Verband erwuchs aus der Tatsache, dass neben dem Verlust des Behelfsheims am Grummertshof andere Verbände im Bochumer Stadtgebiet bereits eigene Häuser besaßen. So zum Beispiel die Naturfreundejugend oder die Katholische Jugend. Auch in den Nachbarstädten wie z.B. Gelsenkirchen gab es bereits größere Häuser für den Falkenverband.

Motiviert von diesen Umständen versuchte auch der Verein „Freunde des Jugendheimbaus e.V.“ Mittel für die Verwirklichung dieses Wunsches aufzutreiben, was schließlich auch gelang.

 rohbaualtbau.jpgDa während der Planungsphase und während der Bauarbeiten immer neue Ideen aufkamen und neue Anforderungen gestellt wurden, z.B. der Bau eines großen Sitzungssaals oder der Einbau einer komplett eingerichteten Küche, musste erheblich nachfinanziert werden.
Diese Tatsache hat den Verein in der ersten Phase des Bauvorhabens  in erhebliche Schwierigkeiten gebracht.

 


Nach Fertigstellung des Jugendverbandsheims gab es einen großen Haufen Schutt hinter dem Haus, der nicht mehr abgefahren werden konnte, da das Geld hierzu nicht mehr reichte. Dieser Berg bekam somit den Namen „Schuldenberg“.
Gewünscht war für das Falkenheim an der Akademiestrasse der Name „Ernst-Reuter-Haus“, da Ernst Reuter für viele damalige Falken ein Vorbild gewesen war. Leider versagte die Witwe in letzter Minute die Namensgebung.
Bis zur kommunalen Neugliederung war das Falkenheim Akademiestrasse auch Sitz des Bochumer Stadtverbandes der Falken. Dies änderte sich Mitte der 70er Jahre. Seitdem residiert der Unterbezirk Bochum in Wattenscheid.

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In den 60er Jahren wurde da Falkenheim umstrukturiert zu einer Einrichtung der „teiloffenen Tür“ und kam somit in die städtische Förderung.
Anfang der siebziger Jahre wurde Heinz Eikelbeck, zu dieser Zeit auch Oberbürgermeister der Stadt Bochum, 1. Vorsitzender des Vereins und stand ihm fast 20 Jahre lang vor.

 

 

 

 

Ende der siebziger Jahre kam es zu zwei größeren Umwälzungen. Das Falkenheim wurde Ende 1978 als Haus der Offenen Tür anerkannt und konnte sozialpädagogische Fachkräfte für den Betrieb als Kinder- und Jugendfreizeithaus beschäftigen.   altbau.jpg
 neubau.jpgAußerdem sollte das Falkenheim mit einem Erweiterungsbau vergrößert werden. Dank der intensiven Bemühungen von Reinhold Mars war der Verein einer der letzten freien Träger, der durch Investitionszuschüsse des Landesschaftsverbandes Westfalen-Lippe und der Stadt Bochum dieses Vorhaben realisieren konnte.
 Im Oktober 1981 fand die feierliche Übergabe der Erweiterungsbaues an die Kinder und Jugendlichen statt.. Auch der Erweiterungsbau brachte den Verein wiederum aufgrund einer Nachfinanzierung, bedingt durch einen Nachbarschaftseinspruch und einem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, in der Folgezeit in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, die erst Jahre später langsam abgebaut werden konnten. neubau2.jpg

Die neunziger Jahre sind durch den Begriff Umstrukturierung gekennzeichnet. Im Jahr 1993 gab Heinz Eikelbeck den Vorsitz des Vereins an Wolfgang Berke ab. 1994 übergab die Stadt Bochum einige ihrer Kinder- und Jugendfreizeithäuser aus finanziellen Gründen an freie Träger der Jugendhilfe in Bochum. Der Verein „Freunde des Jugendheimbaus e.V.“ übernahm davon die Einrichtungen am Bußmannsweg in Wattenscheid und an der Schulteschen Heide in Bochum –Bergen, die sich auch heute noch mit großem Erfolg in unserer Trägerschaft befinden.

Auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den Häusern musste sich in den neunziger Jahren neuen Anforderungen, sei es im Umgang mit neuen Medien, mit politischen Themen wie Ausländerhass oder Rechtsradikalismus oder die Kooperation mit anderen Einrichtungen im Stadtteil (Vernetzung), stellen.  So entstand im November 1991 im Falkenheim Akademiestrasse ein Kooperationsprojekt mit der Annette-von-Droste-Hülshoff Realschule für die Übermittagbetreuung von Schülern und Schülerinnen der 5er und 6er Klassen. Dieses Projekt hatte im Land Nordrhein-Westfalen Modellcharakter und besteht noch heute.
Im Umgang mit neuen Medien war das Falkenheim Akademiestrasse mit der Einrichtung einer sogenannten „Computerbude“ richtungsweisend für viele Bochumer Kinder-und Jugendfreizeiteinrichtungen. Heute verfügt das Haus über einen Computerraum mit 9 PC's.
Hiermit wurde den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geschaffen, im Web zu surfen oder einfach nur zu spielen. Computerkurse für Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene finden hier auch heute noch regelmäßig statt. Natürlich kommt auch der offene Bereich durch zahlreiche Angebote wie z.B. Disco, Sportangebote, Billard, Kicker, Dart, Cafe nicht zu kurz.

Inzwischen sind auch die Falkenheime in Wattenscheid und Bergen mit Computerräumen ausgestattet.

 

 

Erinnerungen eines Gründungsmitglieds des Vereins
„Freunde des Jugendheimbaus  Bochum e.V.“
von
Heinz Brinkhoff

Ich bin 1947 in die „Falken“ eingetreten. Damals war dies die Gruppe Vöde. Otto Bielke, der heute noch lebt, war der Ortsverbandsleiter. Er motivierte uns mit seinen 25 oder 28 Jahren, was er wirklich konnte. Wie in jeder Gruppe gab es Aktive. Wir haben uns damals mit der Gruppe Nord zusammengeschlossen, die in der Innenstadt war. Die Gruppe Nord hatte ein eigenes Haus, das sie aus den Trümmern erbaut hatte, wobei sie auch Steine von den Kirchen „klauten“. Das Haus stand da, wo heute das Gesundheitsamt steht, am Grummertshof  46/47. Das war in den Jahren 1947/48. Jahr für Jahr wurde immer ein bisschen mehr dazu gebaut, bis durch die Neuordnung von Bochum das Grundstück anderweitig genutzt wurde.
Bis zu diesem Zeitpunkt fanden dort die Gruppentreffen statt, und am Wochenende traf sich alles dort beim Volkstanz. Elfriede Wiegand, die hinterher auch die Arbeiterwohlfahrt leitete, war damals auch aktiv dabei.
In der Vöde hatten wir eine alte Baracke mit der Arbeiterwohlfahrt zusammen, die dort einen Kindergarten unterhielt und sich dort traf. Auch wir hielten dort unsere Treffen ab. Diese Baracke musste dann auch weg, da dort die Autobahn (heute A 40) gebaut wurde.

Weil die Stadt das Grundstück am Grummertshof 46/47 enteignet hatte, konnten wir Ansprüche stellen. Wir bekamen von der Stadt eine finanzielle Entschädigung. Unsere Partei-
genossen meinten nach einiger Überzeugungsarbeit, dass wir ein eigenes Heim bräuchten, wollten und konnten dies aber nicht finanzieren. In Gelsenkirchen stand schon ein Jugendheim der „Falken“. Der Gelsenkirchener Stadtdirektor Dr. König, der eigentlich ein Bochumer war, sagte zu Friedhelm Siemelka, dass wir eine Versammlung einberufen sollten, zu der alle Parteigenossen eingeladen wurden.
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Oberbürgermeister Fritz Heinemann, Parteivorsitzender Heinrich Hossiep, Ernst Schlotz als Parteisekretär und die ganzen Prominenten der Partei waren da. Diese Versammlung fand im Haus Wittag in der Brüderstr. satt.  Dr. König hat ihnen dann dort ein bisschen „Feuer unter den Hintern“ gemacht und meinte, dass das was in Gelsenkirchen geschafft worden wäre man auch in Bochum schaffen könnte, und schließlich ließen sich die Parteigenossen überreden.  In dieser Sitzung wurde entschieden, dass wir einen Verein brauchten. Mit Kurt Schaffelke, dem damaligen Bezirksuntersekretär setzten wir uns zusammen und entwarfen eine Satzung.
Damit überhaupt ein Träger für den Bau des Hauses da war, wurde der Verein „Freunde des Jugendheimbaus Bochum e.V.“ gegründet. Das war im Jahr  1954.
Die Stadt überließ uns ein Grundstück an der Akademiestr. Kurz nachdem wir uns einig waren, dass dort etwas geschehen sollte, mussten wir einen Repräsentanten finden, der mit seiner guten Stellung innerhalb der Stadt unseren Verein nach außen als 1. Vorsitzender gut vertritt. Unser erster Wunschkandidat war der damalige Oberbürgermeister Fitz Heinemann, der aufgrund von Arbeitsüberlastung leider absagen musste. Schließlich übernahm Heinrich Hossiep, der Parteivorsitzende, die Aufgaben des 1. Vorsitzenden. Ich übernahm die Aufgaben des 2. Vorsitzenden und die Aufgaben des Geschäftsführers wurden von Kurt Schaffelke, dem Sekretär der „Falken“ wahrgenommen. Auch der spätere Nachfolger von Oberbürgermeister Fritz Heinemann, Fritz Claus, unterstützte uns nach seinen Möglichkeiten.
Dieser Vorstand erarbeitete nun die endgültige Satzung des Vereins.

Zu den ersten anfallenden Tätigkeiten zählte nun der Aufbau der Finanzen des Vereins. Die Höhe der Entschädigung für den Abriss der alten Jugendheime musste mit der Stadt ausgehandelt werden und die Neubauplanungen benötigten schnelle finanzielle Hilfe. Bei diesen Aufgaben half uns sowohl die Partei, als auch die Arbeiterwohlfahrt. Wir ließen Bausteine, in der Art von Briefmarken, drucken, die bei einem Wert von 50 Pfennig begannen und bis zu Einzelwerten von 10 DM verkauft wurden. Zu fast allen Parteiveranstaltungen und den Veranstaltungen der Arbeiterwohlfahrt schickten wir Kinder, die dort diese Spendenbriefmarken verkauften. Auch warben wir für Mitgliedschaften in unserem Verein, als Förderer  der als einfaches Mitglied. Sogar einzelne Ortsvereine der Partei wurden fördernde Mitglieder. All die aus diesen Aktionen resultierenden finanziellen Mittel wurden zusammen mit den Zuschüssen des Landschaftsverbandes genommen, um das Jugendheim zu finanzieren. Die Finanzierung des Baues musste natürlich vor Baubeginn 1957/58 stehen.
Aber wie das dann oft halt so ist, sah man während der Bauphase dann doch noch immer Möglichkeiten für eine bessere, aber dadurch auch teurere, Gestaltung. Wir wollten dann auch noch eine gute Küche haben, die dann für eventuelle Tagungen und Veranstaltungen zur Verfügung stehen sollte. Das hier, wie heute, tagtäglich geöffnet ist war damals noch nicht vorgesehen. Da gab es halt abends nur die Heimabende und dann noch die Volkstanzgruppen, die von meiner Frau gefördert wurden. All diese Gruppen waren „Falken“.

Die Bauunternehmung „Kaulfuss“, die die Pläne für das Jugendheim entwarf, wurde uns von Ernst Schlotz empfohlen. Mit dem Bau selbst wurde die Firma „Knüwer“ beauftragt. Ich muß dazu sagen, dass ohne das finanzielle Entgegenkommen aller am Bau beteiligter Firmen, die in entsprechenden Papieren nachzulesen sind, der Bau nicht geschafft worden wäre. Auch habe ich persönliche Kontakte genutzt zu Leuten, von denen ich wusste, das sie einen Beitrag zum Jugendheimbau leisten konnten. Wie z.B. mein Cousin, der den Fußboden legte, aber leider bereits verstorben ist. Der von ihm gelegte Fußboden ist zum Teil heute noch in Gebrauch und unverwüstlich.

Das Projekt an der Akademiestr. haben wir mit 200.000 DM begonnen zu finanzieren, das ist dann während der Bauphase aber schnell auf 500.000 DM gestiegen. Nach der Fertigstellung des Hauses mussten wir dann zu einem bestimmten Termin mit der Abrechnung der Kosten zum Landesjugendamt und die ganzen Kosten, Quittungen und Ausgaben belegen. Friedhelm Siemelka, der sich noch im Studium befand, und ich haben damals bis 2.00 Uhr morgens an einer alten Schreibmaschine hier im Büro gesessen und die Kosten von 1 Mark aufwärts aufgeführt. Diese Kostenabrechnung ist dann auch „durchgegangen“, wobei ich sagen muß, das wir da einen guten Draht zu einem Herrn, an den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, hatten, der beim Landesjugendamt beschäftigt war. Diesem Herrn erzählten wir von unseren finanziellen Schwierigkeiten und er versprach uns zu helfen. So bekamen wir nochmals Zuschüsse vom Landschaftsverband. Die Mitgründer des Vereins waren dann auch insofern Nutznießer, da sie hier im Haus Parteiversammlungen abgehalten haben, was damals als „Zweckentfremdung“ angesehen wurde. Das Jugendheim an der Akademiestr. war trotzdem ein verbandseigenes Heim der „Falken“.

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1961 wurde ich Unterbezirkssekretär der „Falken“, was ein Vorteil war, da ich so die benötigte Freizeit für das Jugendheim aufbringen konnte. Mein persönliches Engagement führte jedoch zu leichtem „Knatsch“ mit den anderen Stadtverbänden, die meinten, ich sei nur noch für Bochum da. Aber ich war als Sekretär genauso für die anderen Stadtverbände zuständig, die im Unterbezirk Bochum zusammengeschlossen waren. Etwas früher, im Jahr 1957 wurde ich Stadtverordneter mit Verbindungen zu verschiedenen Ausschüssen. Noch bevor ich 1961 meine Arbeitsstelle bei den Bochumer Stadtwerken aufgab, legte Kurt Schaffelke das Amt des Geschäftsführers unseres Vereins nieder. Diese Zeit war auch für meine persönliche Entwicklung äußerst wichtig. In der Zeit lag vieles „auf meinen Schultern“, da niemand da war, der die Geschäfte des Vereins führte. Noch während ich bei den Stadtwerken Bochum beschäftigt war, erledigte ich täglich im Büro Dinge, die mit dem Verein zu tun hatten. Mein damaliger Chef war der Partei wohl gesonnen, aber irgendwann ging ihm das dann doch „über die Hutschnur“. Als er mit sagte, dass das so nicht weitergeht habe ich mich im Büro fürchterlich aufgeregt und war einem Nervenzusammenbruch nahe.
Helmut Hellweg, damaliger Unterbezirksvorsitzender der „Falken“ schlug mir dann den Job des Unterbezirkssekretärs vor, er „bearbeitete“ mich regelrecht. Ich übernahm diese Aufgabe schließlich 1961 und konnte so das bereits fertiggestellte Jugendheim besser unterstützen.

Die Aufgaben des Unterbezirkssekretärs nahm ich war, bis ich dann 1964 nach Stuttgart ging, um alles hinter mit zu lassen , und ganz neu anzufangen. Reinhold Mars war damals in Bochum mein Nachfolger als Unterbezirkssekretär. Als ich dann Ende 1985 in den Vorruhestand ging, bin ich dann 1986 wieder zurück nach Bochum gekommen.

Das erste Zeltlager, das ich mitgemacht habe war 1949 in der Nähe von Haltern am Baggersee, da haben wir in zwei Mann Zelten geschlafen, wir waren vielleicht 12 Personen.
Jungen und Mädchen, das war damals sehr umstritten, überhaupt, es war verpönt. Bei uns war das aber schon gang und gebe. An dieses Zeltlager kann ich mich so genau erinnern, weil damals im August der erste Bundestag zusammen trat. Ich hatte ein Detektorradio dabei und schob dann, was damals noch üblich war, Nachtwache und hörte, wie Adenauer mit einer Stimme Mehrheit gewählt wurde. In diesem Zeltlager waren wir 10 Tage und holten unsere Nahrung frisch beim Bauern in Dülmen. Es gab ja kaum etwas zu kaufen um 1949. Unser damaliger Unterbezirkssekretär, Hans Samm, besorgte uns Naturalien von den Besatzungsmächten. Das waren hier bei uns damals die Engländer, die eine Art Jugendunterstützungsfond unterhielten. Diese Naturalien, wie z. B. Erdnussbutter, packten wir in einen großen Waschkessel, den wir in die Erde einbuddelten. Kühlschränke gab es zu der Zeit noch nicht. Auch einen „Donnerbalken“ haben wir uns gebaut, eine Grube ausgehoben, eine Zeltplane davor und fertig war unser WC.
An ein anderes Zeltlager in der Nähe von Wilhelmshaven erinnere ich mich auch noch. Ich stand da immer am Leuchtturm und so nannte man mich plötzlich „Pitter der  Leuchtturmwächter“. Vor Jahren habe ich hier in Bochum Otto Mulder getroffen, der sagte gleich zu mir: „Mensch der Pitter ist da“.
Mein letztes Zeltlager, was ich mitgeleitet habe, war 1964 ein gemischtes Lager in Glücksburg. Teils bestand dieses Lager aus Zelten, teils aus Blockhütten. In den Blockhütten hatten vier bis sechs Jugendliche Platz. Dazu kam dann noch ein großer Speisesaal. Es war damals gesitteter, aber heute ist die Jugend sowieso freier, aber wir als „Falken“ waren schon immer freier.

 
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